Morgenrituale

Aus Schleierwelten
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Morgenrituale

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Als Matt erwachte, bemerkte er sofort, dass etwas anders war. Dieses Gefühl der mechanischen Stille, die seinem Schiff ganz eigen war, war anders. Er hatte das Gefühl von Trotz und Widerstand, dass er zwar kannte, aber eben nicht in den frühen Morgenstunden in seinem Schiff. Er musste sich erst noch erinnern, warum das so war.

Seine Hand fühlte nach rechts, aber da war nichts. Er hatte sie doch noch in der Nacht auf dieses Bett gelegt. Sie hatte schließlich kein anderes. Oder war es wieder einer seiner dumpfen Träume, die ihn manchmal plagten. Träume aus einer möglichen Zukunft, Träume aus einer möglichen Vergangenheit, Träume, die ihm das verfluchte Buch der großen Bibliothek bereitete, um seinen Pfad zu verwirren.

Aber er lag nicht mehr in den Mitte seines Bettes. Wenn er in der Nacht alleine hier gelegen hätte, hätte er doch wie üblich diagonal gelegen, oder? Aber wo war sie? Langsam richtete er sich auf und dann sah er sie. Sie kniete auf dem Boden, die Hände offen nach oben auf den Knien, den Blick gesenkt und dazu vollkommen nackt. Sie war wirklich eine Augenweide, aber nichts, was Matt am frühen Morgen in genau so einer Art sehen wollte.

Erzogen um zu dienen, dachte er. War das Programmierung, dass sie jetzt da so vor seinem Bett hockte? Er hatte sie mitgenommen, weil er dachte, dass sie mehr als das war. Eigentlich hatte er gedacht, dass Lady One Shot eine ganz und gar selbstbewusste Frau sei. Wenn er Lustsklavinnen gewollt hätte, hätte er sich auf den Märkten von Hetsika schon vor Jahren eindecken können. Vielleicht waren die nicht ganz so perfekt erzogen und Formvollendet wie die Konkubinen der Chamo-Ezee, aber wohl genauso willenlos.

Er fühlte wieder in das Gefühl, was sich im Raum verbreitete. Da war kein Wunsch, ihm bedingungslos zu dienen. Da war mehr Spott und auch eine Spur der Verachtung. Dazu der alles überlagernde Widerstand und ein Bewusstsein der eigenen Stärke. Und all das rückte das gesehene richtig.

"Eli, du kannst dich erheben. Du hast genug einen auf Sklavin gemacht."
"Herr?"
"Und das kannst du auch direkt lassen. Wir wissen beide, dass du mich nie als deinen Herren sehen wirst. Du wirst dich eher die ganze Zeit fragen, wann es sinnvoll ist, mich im Schlaf zu erwürgen."
"Wäre eine Option. Aber ohne dich würde ich in diesem Nebel wohl alt und Schrumpelig werden."
"Das wohl eher nicht. Ich weiß, du kannst lesen. Und da auf diesem Schiff alles beschriftet ist, würdest du es sehr schnell beherrschen, Eli."

Matt sah wieder über das Bett hinweg zu Eli, die noch immer in der perfekten Grundposition der willigen Sklaven saß, ihn aber nun mit ihren feurig roten Augen ansah. In diesem Blick lag ihr ganzes Selbstbewusstsein und ihre ganze Kraft, der nur zu deutlich zeigte, dass sie nie eine Sklavin, nie eine Konkubine war, auch wenn ihre Haltung was anderes sagte.

"Und jetzt?", wollte die braune Schönheit mit der wilden roten Mähne wissen, die ungezähmt um ihren Kopf wallte. Ihre wirklich üppige Brust war dabei straff nach vorne gespannt und demonstrierte damit ihre gesamte zu erwartende Erotik, ihre bevorzugte Waffe, die auch an Matt nicht spurlos vorbei ging. Ja, sie war etwas wirklich begehrenswertes und Matt wünschte sich im Geheimen nichts sehnlicheres, als diese Frau an seiner Seite zu haben. Aber nicht so wie das. Nicht als willenlose ihm dienende und in ihrem Fall unsichere Sexsklavin, zu der sie für die Priesterschaft von Chamo Ezee erzogen worden war. Er wollte sie neben sich.

Aber das müsste dann auch von ihr kommen und noch war sie nur hier, weil er ihr bisheriges Leben für das Gelingen seines Auftrages zerstört hatte und sie damit in ihrer Welt alle Rechte verloren hatte. Im Duell besiegt und als Sklavin gekennzeichnet könnte sie nur noch den Status einer Entflohenen in der Wildnis erreichen, zumindest auf ihrer Welt. Bei ihm und auf anderen Welten hatte das keine Bewandtnis.

Matt schwang seine Beine aus dem Bett und stand auf. Vor Elli hielt er ihr die Hand hin, um ihr aufzuhelfen.

"Ich brauch das nicht, und das wisst ihr, Herr."
"Matt. Ich erlaube dir... nein das ist falsch ausgedrückt. Ich wünschte mir, dass du mich Matt nennst. Ja so ist es am besten im Worte gefasst. Ja, ich weiß, dass eine gut erzogene Konkubine eine perfekte Körperbeherrschung besitzt. Aber ich sehe sowas hier an Bord dieses Schiffes... nein auch wieder nicht ganz richtig. An Bord unseres Schiffes nicht. Also darf ich der Frau, mit der ich zusammen reise und diese Welt erkunde, meine Hand reichen und ihr aufhelfen."

Eli sah auf die Hand und Matt sah, wie es in ihr arbeitete. Was würde geschehen, wenn sie sich selber erhob. Was würde es für ihren Status bedeuten, wenn sie sich helfen ließ und sich dabei in seine Hand begab? Der Sklave bereitete seinem Herren keine Mühe, das war ein Satz der Sklavendoktrien, wenn man sie von Kind an erzog. So wurde es ihnen zu mindestens in den Schulen auf Hestika gelehrt.

"Wie du willst", sagte sie und Matt sah ein Funkeln in ihren Augen. Er konnte sich denken, was nun kommen würde. Und sie tat es auch. Zuerst wippte sie ohne Last auf seiner Hand nach hinten, wie es eine Konkubine trotz der dargebotenen Hand getan hätte. Doch dann stemmte sie sich gegen seinen ganzen Körper nach oben. Einen echten Herren hätte sie mit diesem Verhalten aus dem Stand gezogen und sie wären beide auf dem Boden gelandet. So aber spannte Matt seinen Arm an und zog sie damit ganz nah an sich heran, so das sie Auge in wundervoll tiefe roten Augen gegenüber standen, nur zwei Nasenspitzen voneinander getrennt. Sie amüsierte sich an seinen sie bewundernden Blick, seiner wohl nicht ganz verborgenen Begehrlichkeit an ihren Reizen.

"Was hältst du von Tee und Toast?", fragte Matt. "Das ist mein Morgenritual. Du brauchst dich dafür nur in meine Küche zu setzen. Auf ein Stuhl, nicht kniend auf den Boden."
"Den Toast nehme ich, wenn du Fruchtaufstrich hast", grinste Eli und lächelte versöhnlich.

Damit waren die ersten Fronten geklärt und ein neues Morgenritual begründet.


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